
Ausrichtung und theoretischer Ansatz
Die Zahl der älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wächst in Europa. Verglichen mit der einheimischen Bevölkerung ist das Durchschnittsalter der Zugewanderten noch deutlich niedriger. Auch wenn vergleichbare Daten zur Zusammensetzung und demografischen Struktur von älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Europa aufgrund von statistischen Unterschieden und Mängeln fehlen: Die Anteile und die Zahlen der älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte werden künftig signifikant steigen. Altern in der Migration rückt daher in den Fokus verschiedener nationaler und supranationaler Integrationsbemühungen.
Die Gruppe der älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist in den europäischen Staaten und auf gesamteuropäischer Ebene sehr heterogen. Eine vorläufige Klassifizierung von älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte kann wie folgt gemacht werden:
Die europäische Migrationsforschung ist gekennzeichnet von einem Mangel an vergleichender Forschung, fehlender Kooperation zwischen verschiedenen Disziplinen und mangelnder Integration verschiedener Forschungsebenen.
Trotz wachsender Zahlen haben ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gegenwärtig keine hohe Relevanz für die politischen Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene. In den bisherigen Diskussionen werden soziale und gesundheitspolitische Fragen als Herausforderungen für die Gesellschaften in den Vordergrund gestellt. Europäische Dokumente, die sich mit den Belangen von älteren Menschen oder der Integration von Zuwanderern beschäftigen, befassen sich kaum mit älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte oder sehen sie als eine Gruppe an, an der oder für die spezielles Interesse oder Handlungsbedarf besteht.
Ausrichtung und theoretischer Ansatz
Mit der Einrichtung eines europäischen Forschernetzwerks zum Thema "Active Ageing of Migrant Elders across Europe" soll ein Paradigmenwechsel erfolgen. Im Vordergrund der interdisziplinären, praxis- und anwendungsorientierten Forschung sollen in erster Linie Kompetenzen und Potentiale, die dem Prozess des Alterns zugewanderter Bevölkerungsgruppen in unterschiedlichen europäischen Ländern innewohnen, untersucht und Strategien entwickelt werden, wie diese weiter gestärkt und genutzt werden können. Das europäische Forschungsnetzwerk beabsichtigt nicht soziale und ökonomische Probleme zu leugnen aber es versucht die Aufmerksamkeit für die Potentiale von älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu steigern. Dabei soll explizit die Heterogenität der Gesamtgruppe beachtet und geschlechtsspezifische Fragestellungen berücksichtigt werden.
Als theoretischer Ansatz wird das holistische und sowohl auf Individuen als auch Bevölkerungsgruppen ausgerichtete Konzept des "active ageing", wie es die Vereinten Nationen verwenden, zugrunde gelegt. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermöglicht ein "aktives Altern" Menschen über den gesamten Lebensverlauf hinweg ihr Potential für physisches, soziales und seelisches Wohlbefinden zu verwirklichen und an der Gesellschaft entsprechend ihrer Bedürfnisse, Wünsche und Leistungsvoraussetzungen teilzunehmen, während sie im Falle von Hilfsbedürftigkeit angemessenen Schutz, Sicherheit und Pflege erhalten. "Aktiv" in diesem Sinne bezieht sich auf die fortwährende Partizipation in sozialer, ökonomischer, kultureller, spiritueller und bürgerschaftlicher Hinsicht und nicht bloß auf die Fähigkeit physisch aktiv zu sein und am Erwerbsleben teilzunehmen. (WHO: Active Ageing. A Policy Framework, New York, 2002.)
Besondere Aufmerksamkeit wird auf die politische, soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation und Integration älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gelegt (Querschnittsthema des Active Ageing).
Mit dem Aufbau eines europäischen Forschernetzwerks zum Thema "Active Ageing of Migrant Elders across Europe" werden folgende Ziele verfolgt:
Wissenschaftliche Ebene
Praxisebene
Politische Ebene
Die Laufzeit des europäischen Forschernetzwerks "Active Ageing of Migrant Elders across Europe" ist zunächst auf fünf Jahre ausgerichtet (2008 - 2012). Ab Ende 2009 - nach der Beendigung des AAMEE-Projekts - soll das Forschernetzwerk auf eigenen Beinen stehen.
Jährlich werden spezifische Forschungsschwerpunkte (z.B. gesellschaftliche und politische Partizipation, Einkommens- und Wohnsituation älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Europa) definiert und einzelne Produkte zu diesen Schwerpunkten entwickelt.
Das Forschernetzwerk wird folgende, aufeinander abgestimmte Produkte entwickeln (diese Liste zeigt Produkte an, die entwickelt werden können, wenn dem Netzwerk ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stehen):
Die Forscherinnen und Forscher des Netzwerks sollen möglichst viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie deren Nachbarstaaten vertreten. Explizit sollen auch die Herkunftsländer von älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Europa berücksichtigt werden.
Angestrebt wird eine Beteiligung von zunächst ca. 15 europäischen Ländern. Der weitere Ausbau wird sukzessive während der Lebensdauer des Forschernetzes erfolgen. Aus Gründen der Handhabbarkeit und Übersichtlichkeit sollte die absolute Zahl der Forscherinnen und Forscher 20 bis 25 Personen nicht überschreiten. Für einige Themen können Forscherinnen und Forscher assoziiert werden.
Die Forscherinnen und Forscher sollen unterschiedliche wissenschaftliche, anwendungsorientierte und private Institutionen repräsentieren und über einschlägige Erfahrungen zum Thema des aktiven Alterns älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte verfügen. Grundlegende Aufnahmebedingungen beinhalten gute Kenntnisse der englischen Sprache, eine Mindestanzahl von relevanten Publikationen und Erfahrungen mit Teamarbeit.